Kein Reset für den Ring

Mit Frogger habe ich als Kind unzählige Stunden verbracht. Wer sich an das Spiel erinnert, weiß, wie sich eine eigentlich simple Strecke plötzlich wie ein Hochrisikolevel anfühlt.

 

Genau so fühlt sich der Ring an.

Nur dass man hier nicht einfach neu starten kann.
Die Stadt lässt sich nicht zurücksetzen. Sie verändert sich im Bestand. Schließlich muss die Stadt mit den Veränderungen der Zeit mitgehen.

Am Ring lassen sich diese Veränderungen besonders gut ablesen. Allein die wechselnden Bezeichnungen seiner Abschnitte erzählen die politische Geschichte der Stadt – und auch angrenzende Orte spiegeln diese Brüche: So wurde der Schwarzenbergplatz zwischenzeitlich zum „Stalinplatz“, der Rathausplatz zum „Adolf-Hitler-Platz“.

Kartenausschnitt der Ringstraße inklusive historischer Benennung der Abschnitte 1861-2026
Kartenausschnitt der Ringstraße inklusive historischer Benennung der Abschnitte 1861-2026 © Harald R. Stühlinger

 

Nun will die Stadt Wien den Ring neu gestalten – mit getrennten Flächen für Radfahrende und Fußgänger*innen statt der aktuellen Mischzonen. Baubeginn ist ab Herbst 2026, gestartet wird beim Schottenring.
Beim Schottenring beginnt's
 

Wir haben über genau diesen Abschnitt der Stadt schon im letzten Jahr berichtet und die Flâneur-Community gefragt, wo Wien im Alltag nicht und besonders gut funktioniert. Aus den knapp 300 Antworten ist eine interaktive Karte entstanden, auf der Gefahrenstellen, Umwege und tägliche Wege durch die Stadt sichtbar gemacht wurden.

Hier geht es zur Karte – du kannst dich durch die einzelnen Stellen klicken und die Kommentare dazu lesen.


 

Seit unserer letzten Befragung ist tatsächlich etwas passiert.

Neue Radachsen sind entstanden, bestehende Lücken wurden geschlossen und einzelne Straßenzüge komplett neu gedacht: etwa die Argentinierstraße, Teile der Währinger Straße oder der Ausbau mehrerer Radhighways. Insgesamt spricht die Stadt von über 20 Kilometern neuer Radinfrastruktur allein im Jahr 2025.

Die entscheidende Frage jedoch bleibt:
Wird es dadurch auch sicherer?

Ein Blick in die aktuellen Zahlen von Statistik Austria für ganz Österreich zeigt ein gemischtes Bild:

  • 32 getötete Radfahrer:innen im Jahr 2024 (–10 im Vergleich zu 2023)

  • Über 10.000 verletzte Radfahrer:innen (+5 %)

  • 2.447 Schwerverletzte (+12 %)

  • E-Bikes überdurchschnittlich betroffen

  • Helmquote leicht gestiegen

Während die Zahl der Todesfälle sinkt, steigen gleichzeitig die Verletztenzahlen: Ein Hinweis darauf, dass immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind, die Infrastruktur aber vielerorts noch nicht mithält.

 

Wien steht im Bundesländervergleich zwar vergleichsweise gut da und weist die niedrigste Zahl an Verkehrstoten pro Million Einwohnerinnen auf. Was das konkret für Radfahrerinnen bedeutet, bleibt allerdings offen. Eine eigene Auswertung fehlt.

Der Ring ist dabei mehr als nur ein Radweg.

Er ist ein Ort, an dem sich entscheidet, wie diese Stadt ihren Raum verteilt und wer sich darin sicher bewegen kann:

  • Für Fußgänger*innen geht es um Platz und Orientierung.
  • Für Radfahrende um Sicherheit und Durchgängigkeit.

  • Für Autofahrende um Verlust von Spuren und Parkraum.

Ein Ort, an dem sich diese Konflikte verdichten.
Genau deshalb wollen wir es wieder genauer wissen.

Wie fühlt sich Wien heute an für dich?

Zu Fuß, mit dem Rad oder im Auto:
Wie erlebst du die Stadt im Alltag?

Wir haben unsere Umfrage neu gestartet und freuen uns auf deine Perspektive.

Denn die Stadt verändert sich gerade sichtbar.
Die Frage ist nur: Für wen?

Quellen und weiterführende Informationen