Wie Satelliten Wien beim U-Bahn-Bau und gegen Hitze helfen

Von der Planetenparade über Weltraummüll bis zur U2/U5-Baustelle: Wie der Blick aus dem All Wien vermisst und Hitzeinseln sichtbar macht.

Ausgabe #69 · 9. August 2026 · Wien

Von der Planetenparade über Weltraummüll bis zur U2/U5-Baustelle: Diese Ausgabe schaut in den Nachthimmel und zeigt, wie Satellitendaten ganz konkret helfen, Wien zu vermessen und Hitzeinseln zu erkennen.

Darum geht es in dieser Ausgabe

  • Die Hundstage verdanken ihren Namen Sirius, dem hellsten Stern im Sternbild Großer Hund.
  • Satelliten, die Internationale Raumstation und Weltraummüll machen den vermeintlich leeren Nachthimmel zu einem stark befahrenen Raum.
  • Das Wiener Forschungsprojekt RAVEN untersucht Boden- und Gebäudebewegungen rund um die U2/U5-Baustelle mithilfe von Satellitenradar.
  • ECOTEN und ADUCAT verbinden Satellitendaten mit Stadt- und Bevölkerungsdaten, um besonders belastete Hitzegebiete zu erkennen.
  • Eine interaktive Karte zeigt künstliches Nachtlicht und beliebte Orte zum Sterneschauen in Wien.

Die Hundstage zeigen sich diesen Sommer von ihrer bisher bissigsten Seite. Die heißesten Tage haben wir hoffentlich überstanden. Dafür erwartet uns eine spannende Woche unter dem Wiener Nachthimmel. Denn dort ist mehr los, als man vermuten würde: Am Mittwoch, dem 12. August, beginnt der Tag mit einer Planetenparade. Am Abend folgt eine partielle Sonnenfinsternis, bevor in der Nacht die Perseiden ihren Höhepunkt erreichen.

Damit du einen möglichst dunklen Beobachtungsplatz in Wien findest, habe ich eine Karte erstellt. Sie zeigt, wo die Stadt nachts vergleichsweise wenig künstliches Licht abstrahlt und die Bedingungen zum Sterneschauen daher günstiger sind. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Rauchwolke über dem Föhrenwaldbrand bei St. Egyden, gesehen von Bad Fischau
Ich habe vor der Hitze die Flucht ergriffen und fand Abkühlung in Bad Fischau. Plötzlich ging der Alarm los und diese Rauchwolke zeigte sich über dem Nachbarort St. Egyden. Bild: AF / Wiener Flâneur.

Sirius und der große Hund

Die Hundstage sind nach dem „Großen Hund“ (Canis Major) benannt. Genauer gesagt nach Sirius, seinem hellsten Stern, der auch „Hundsstern“ genannt wird. Im alten Ägypten erschien Sirius zur heißesten Zeit des Jahres wieder am Morgenhimmel. Später wurde diese Hitzeperiode mit dem Hundsstern in Verbindung gebracht. Bis heute sprechen wir für die Zeit zwischen dem 23. Juli und dem 23. August von den Hundstagen.

Fotografie des Sternbilds Canis Major, des Großen Hundes
Fotografie des Sternbildes Canis Major, des Großen Hundes. Bild: AlltheSky.com / Till Credner.

In Wien lässt sich der Große Hund am besten in Winternächten beobachten. Trotzdem lohnt sich gerade auf dem Höhepunkt der Hundstage ein Blick in den Himmel. Warum, das erzähle ich dir jetzt.

Nicht alles, was leuchtet, ist ein Stern

Dazu muss ich dich kurz einen Monat in die Vergangenheit mitnehmen. Die erste Hitzewelle des Sommers verbrachte ich im Lungau. Nach der Hitze des Tages kam die kühle Nacht und mit ihr ein Himmel, wie ich ihn aus Wien kaum kenne. Je länger ich hinaufsah, desto mehr Sterne kamen zum Vorschein. Für ein Stadtkind war schon das eine kleine Sensation.

Während ich noch versuchte, Sternbilder zu erkennen, setzten sich plötzlich einige der Lichtpunkte in Bewegung. Sie huschten nicht über den Himmel, sondern zogen ruhig und stetig dahin. Keine Sternschnuppen also. Dann waren sie plötzlich weg. Nicht am Horizont, sondern mitten im Himmel.

„Das sind Satelliten“, erklärte mir unser Gastgeber Manfred. Sobald Satelliten in den Schatten der Erde eintreten, reflektieren sie kein Sonnenlicht mehr. Für das bloße Auge verschwinden sie.

Ich stand da, den Kopf im Nacken, und verfolgte einen Lichtpunkt nach dem anderen. Darüber vergaß ich, den Mund wieder zuzumachen.

„Die ISS erkennst du sofort“, sagte Manfred. „Die ist viel heller.“

Bitte was?

Was ich für einen beinahe leeren Himmel gehalten hatte, erwies sich als ziemlich befahren. Also begann ich nachzulesen.

Visualisierung aktiver Satelliten im Erdorbit
Satelliten im Erdorbit. Screenshot: satellitemap.space, 8. August 2026.

Zum Zeitpunkt der Recherche waren zehn Menschen im Weltall und 32.384 Satelliten im Erdorbit. Mehr als 10.000 davon gehörten zum Starlink-Netzwerk, das vom Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben wird. Mitten in diesem Gedränge kreist auch die Internationale Raumstation ISS um die Erde.

Über einen Livestream der NASA kann man ihr bei ihrer Reise um den Planeten folgen. Zeitweise ist auch der Funkverkehr zwischen der Besatzung und der Bodenkontrolle zu hören.

Dann gibt es noch über 13.000 Objekte an Weltraummüll. Dazu zählen ausgediente Satelliten, zurückgelassene Raketenteile und Bruchstücke früherer Kollisionen. Die tatsächliche Zahl ist noch viel höher, denn kleinere Teile lassen sich von der Erde aus kaum verfolgen.

Die halbwegs gute Nachricht: Das Problem ist erkannt. Die weniger gute: Eine funktionierende Müllabfuhr für das All gibt es noch nicht.

Visualisierung erfasster Trümmerteile und Weltraummüll im Erdorbit
Weltraummüll im Erdorbit: Die Punkte zeigen die berechneten Positionen erfasster Trümmerteile. Das europäische Projekt RemoveDEBRIS erprobte ein Netz und eine Harpune, holte damit aber noch keinen echten Weltraummüll aus dem Orbit. Screenshot: satellitemap.space, 8. August 2026.

Zurück nach Wien: Wozu brauchen wir Satelliten im All?

Satelliten ermöglichen Navigation, übertragen Internet und liefern wichtige Daten für Wettervorhersagen. Doch sie können noch mehr: Sie machen Veränderungen sichtbar, die sich vom Boden aus kaum flächendeckend erfassen lassen. Auch Wien nutzt solche Daten. Zwei Forschungsprojekte zeigen, was der Blick aus dem All für eine Stadt ganz konkret leisten kann.

RAVEN: Wenn sich rund um den U-Bahn-Bau der Boden bewegt

Beim Wiener Forschungsprojekt RAVEN wurde untersucht, ob sich Bewegungen von Boden und Gebäuden aus dem All erkennen lassen. Dafür verglich das Projektteam Radaraufnahmen des europäischen Satelliten Sentinel-1 mit Präzisionsmessungen rund um die U2/U5-Baustelle beim Rathaus. Die Analysen reichen bis in den Bereich von weniger als einem Zentimeter.

Der konkrete Nutzen: Satellitendaten könnten künftig große Baustellengebiete überwachen und auffällige Stellen sichtbar machen. Fachleute wüssten dadurch schneller, wo sie vor Ort genauer nachmessen müssen. Die Technik ersetzt die Kontrollen am Boden nicht, kann sie aber gezielter und effizienter machen.

ECOTEN: Wo Wien Abkühlung am dringendsten braucht

Bei Hitze ist nicht nur entscheidend, wo es besonders heiß wird, sondern auch, wer dort lebt. Für die ECOTEN-Hitzekarte wurden Wärmeaufnahmen der Landsat-Satelliten aus fünf Sommern mit Daten zu Grünflächen, Wasser und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen kombiniert.

Das Ergebnis zeigt, in welchen Grätzln Bäume, Schatten, Entsiegelung oder Wasser besonders viel bewirken können. Die Erkenntnisse flossen unter anderem in die Auswahl von Standorten für die „Coolen Straßen“ ein. Heute wird dieser Ansatz mit ADUCAT weitergeführt. Aktuellere Satellitendaten sollen Wien künftig noch schneller zeigen, wo Hitze entsteht und wo Begrünung am dringendsten gebraucht wird.

Für diese Ausgabe habe auch ich Satellitendaten genutzt: für einen Überblick über das künstliche Nachtlicht in Wien. Die Karte zeigt dir, wo besonders viel und wo besonders wenig Licht von der Stadt in den Nachthimmel strahlt. Außerdem habe ich beliebte Orte zum Sterneschauen eingezeichnet. Mein Favorit sind die Steinhofgründe. Und wo schaust du in Wien am liebsten in die Sterne?

Karte des künstlichen Nachtlichts und beliebter Orte zum Sterneschauen in Wien
Interaktive Karte zum künstlichen Nachtlicht in Wien und zu beliebten Orten zum Sterneschauen. Grafik: Wiener Flâneur; Satellitendaten. Stand: 9. August 2026.

Quellen und weiterführende Informationen