Wien verliert seine Freiflächen nicht plötzlich

Ausgabe #59

Der Post SV kämpft um seine sportliche Heimat in Hernals. Was die neue Ausschreibung für Wiens größte zusammenhängende Sportfläche bedeutet.

Darum geht es in dieser Ausgabe

  • Die Zukunft des Postsportareals in Hernals
  • Europas größte Ausschreibung trifft Wiens größte Sportfläche
  • Gemeinwohl, Verwertung und mögliche Teilverbauung
  • Die Petition „Rettet den Post SV“

Die Eisheiligen haben dieses Jahr wirklich gezeigt, was sie draufhaben. Sie haben die Menschenmengen von den Song-Contest-Public-Viewings direkt in jene Lokale gespült, die live übertragen haben, wie Bulgarien für den großen Überraschungssieg gesorgt hat.

Minigolfplatz im Böhmischen Prater
Es ist ein sehr empfehlenswerter Platz. Der Minigolfplatz im Böhmischen Prater. Wer den Böhmischen Prater aus einer neuen Perspektive kennenlernen möchte: Unten empfehlen wir einen ganz besonderen Rundgang. Einfach runterscrollen. Foto: Wiener Flaneur AF

 

Mir war das Public Viewing diesmal gar nicht so wichtig. Wichtiger war, dass beim heurigen Minigolfturnier einer Freundin im Böhmischen Prater alle warm eingepackt waren, um sich nicht die nächste Verkühlung zu holen. Der Mai ist nämlich noch etwas anderes als der ESC: Saisonstart fürs Minigolfen. Wobei ich heute näher auf einen bestimmten Platz eingehen möchte, der gerade um sein Fortbestehen zittern muss: den Post SV und seinen äußerst charmanten — leicht abgerockten — Minigolfplatz.

Europas größte Ausschreibung trifft Wiens größte Sportfläche

Postsportareal in Hernals – Übersicht der Stadt Wien
Es geht um dieses Areal. Es ist eine der wenigen grünen Flächen in dem dicht bebauten Abschnitt des 17. Bezirks. Grafik: Stadt Wien.

 

Der Post SV kämpft gerade um nichts Geringeres als seine sportliche Heimat in Hernals. Der Pachtvertrag für das rund 15 Hektar große Postsportareal läuft Ende 2027 aus, schon im Juni 2026 soll die Fläche EU-weit neu ausgeschrieben werden. Laut Stadt Wien soll das Areal künftig „neu geordnet“ und teilweise weiterentwickelt werden — inklusive Beteiligungsprozess für Anrainer*innen und Interessensgruppen. Bewerben dürfen sich künftig unterschiedliche Betreiber- und Nutzungskonzepte: vom gemeinnützigen Sportbetrieb bis hin zu kommerziellen Modellen. Genau das sorgt derzeit für Nervosität. Denn während der Post SV seit Jahrzehnten Breiten- und Spitzensport für rund 5.000 Menschen anbietet, darunter etwa 2.000 Kinder und Jugendliche, könnten künftig auch private Betreiber oder andere Nutzungen zum Zug kommen.

Zwischen Gemeinwohl und Verwertung: Hat der Post SV überhaupt noch eine Chance?

Die große Sorge: dass Wiens größte zusammenhängende Sportfläche schrittweise verbaut oder kommerzialisiert wird. Im Raum stehen laut Petition und mehreren Medienberichten mögliche Teilverbauungen, neue Wohnprojekte oder kommerzielle Freizeitnutzungen. Der Verein selbst arbeitet inzwischen gemeinsam mit Expert*innen an einem Zukunftskonzept, gleichzeitig wächst der öffentliche Druck: Zehntausende Menschen unterstützen bereits die Petition „Rettet den Post SV“. Die zentrale Frage ist inzwischen weniger, ob sich der Post SV bewerben darf — sondern ob ein gemeinnütziger Sportverein in einer EU-weiten Ausschreibung gegen finanzstärkere Konzepte überhaupt noch realistische Chancen hat. Denn Wien verliert seine Freiflächen meist nicht plötzlich. Sondern Stück für Stück.

Post SV in Hernals
5.000 Mitglieder und 15 Sektionen sind hier seit 1937 Zuhause. Foto: Wiener Flaneur AF

 

Aktuell läuft die Petition „Rettet den Post SV“ als Eigeninitiative weiter. Falls du die Hernalser*innen unterstützen möchtest, kannst du das hier tun.

Ziel: 22.000 Unterschriften. Aktuell haben 20.736 Personen unterschrieben.

Wer auf dem Laufenden bleiben und über Beteiligungsmöglichkeiten in Wien rechtzeitig Bescheid bekommen möchte, kann sich hier zu den jeweiligen Newslettern der Stadt Wien anmelden. Hier kann man anklicken, über welches Areal man informiert bleiben möchte.

Quellen und weiterführende Informationen